Sie befinden sich jedoch nicht in irgendeinem Keller, sondern in den Gewölben der erstmals 1478 erwähnten Leonardikirche.

Im Jahre 1790 wurde die Kirche von Josef II aufgelassen und an die italienische Meterologen- und Optikerfamilie Rospini verkauft. Die Nachfahren dieser Familie sind noch heute die Besitzer des Hauses.

In diesen geschichtsträchtigen Mauern wollen wir Ihnen in gemütlicher Atmosphäre neben steirischem Bier und einer guten Auswahl aus in- und ausländischen Getränken, vor allem steirischen Spitzenwein aus der Bouteille offen anbieten.

 

Mittwoch, 29. Juli 1959

Eine vergessene Grazer Kirche

Wenn man von der Burggasse kommt, durch die Salzamtgasse geht und einen Blick auf das bombenzerstörte Gebäude zur Linken wirft, wo früher Wohnhäuser standen, sieht man im Hintergrund ein seltsames dreistöckiges Gebäude, vor dessen Fenstern lustig Wäsche im Wind flattert, eigenartig zu den hohen Strebepfeilern passend, die einen gotischen Sakralbau verraten. Wenige Grazer werden noch wissen, dass es sich hier um die Reste einer aus Türkennot geborenen großen Kirche handelt, auf die die Bomben am Kriegsende die Sicht von der Salzamtgasse frei gemacht haben und die einst dem Hl. Leonhard geweiht war. Es ist wohl die einzige Kirche, die jemals in Graz in ein Wohnhaus verwandelt wurde.

Die Leonhardikirche


Man schrieb das Jahr 1478. Wieder einmal brandete eine Türkenwelle von der Untersteiermark herauf, diesmal bis nahe gegen Graz heran. Der damalige Kaiser Friedrich der 3. schenkte den Franziskanern, die ihre Kirche und das Kloster St. Leonhard beim heutigen Landeskrankenhaus hatten und sich vor den Türken fürchteten, die Gründe zwischen dem jetzigen Tummelplatz und der Trautmannsdorfgasse. Hier erbauten sie ein Kloster und eine neue Kirche, die sie ebenfalls Leonhardkirche nannten. Bald mussten sie aber fort ziehen und an ihre Stelle trat der Orden der Dominikanerinnen, dem bis zur Klosteraufhebung unter Josef dem II. das Gotteshaus gehörte. Ein adeliges Damenstift übernahm die Gebäude, verkaufte aber nach wenigen Jahren die Kirche mit dem großen Turm an den bürgerlichen Optiker Rospini, der den Turm abtragen ließ und aus dem Kirchenschiff ein dreistöckiges Wohnhaus machte.
Dreimal wurde dieses im letzten Krieg von Bomben getroffen, aber noch immer ragt ein Teil des gotischen Baues, der jetzt etwa an die viereinhalb Jahrhunderte alt ist, mit seinen teilweisen mächtigen Steinmauern und gewaltigen Strebepfeilern zur Höhe. Heute unter Denkmalschutz stehend ist es ein Mahnmal der Vergangenheit, während nichts mehr an den Friedhof erinnert, der zwischen der Kirche und der heutigen Salzamtgasse lag.